Chronik
Der Turnverein Hailer wurde am 8. Mai 1892 gegründet. Die Gründer hatten es sich zum Ziele gesetzt, die Leibesertüchtigung zu pflegen und zu fördern. Durch Fleiß und Disziplin wurde erreicht, dass der kleine Dorfverein erfolgreich an mehreren Deutschen Turnfesten und an Mannschaftskämpfen des ehemaligen Mittelrheinkreises teilnahm. Innerhalb des Turngaues Kinzig nahm der Turnverein Hailer stets eine führende Rolle ein.In Hailer hielt der Turnverein, mit großem Engagement seiner Mitglieder, folgende große Turnveranstaltungen ab:
in den Jahren 1910 und 1929 Turnfeste des Mittelrheinkreises und in den Jahren 1950, 1956 und 1992 Gauturnfeste des Turngaues Kinzig.
Weitere turnerische Höhepunkte waren 1922 das 30jährige Vereinsjubiläum, 1927 die Einweihungsfeierlichkeiten der Turnhalle, 1932 das 40jährige Vereinsjubiläum und 1952 das 60jährige Vereinsjubiläum verbunden mit Fahnenweihe.
Das Turnen fand in den Anfangsjahren während der Sommermonate auf dem Turnplatz statt. Die Saison wurde im Frühjahr mit einem vereinsinternen Anturnen begonnen und im Herbst mit einem Abturnen beendet. Diese jährlichen An- und Abturnen waren Höhepunkte im Vereinsleben. Die Mitglieder und Dorfbewohner stellten sich am Vereinslokal auf und zogen mit Musik zum Turnplatz. Im Anschluss an die turnerischen Wettkämpfe wurde im Vereinslokal eine Tanzveranstaltung abgehalten.
Neben dem Geräteturnen und dem volkstümlichen Turnen (heute Leichtathletik) wurden die Mannschaftsspiele Faustball und über einen kurzen Zeitraum auch Feldhandball betrieben.
Im Faustball konnte der Turnverein große Erfolge erzielen.
Nachdem dem Turnverein für seine Übungsstunden kein Gasthaussaal mehr zur Verfügung stand, entschlossen sich die Mitglieder - unter größten finanziellen Schwierigkeiten - eine eigene Turnhalle zu bauen.
Der Bau der Halle wurde von 1925 bis 1927 durchgeführt. Die Mitglieder unterstützten dieses Werk durch enorme Arbeitsleistungen und finanzielle Spenden. Durch Opfersinn und Wagemut war aus dem Nichts ein Bau entstanden, der in der damaligen Zeit einmalig war.
Mit Recht war die gesamte Dorfbevölkerung stolz auf diese Halle.
Die politischen Ereignisse des Jahres 1933 stellten den Turnverein vor große Probleme.
Durch die Einführung von NS-Formationen verlor der Verein viele Mitglieder. Nachdem dem Turnverein auch noch die Wirtschaftskonzession, seine beste Geldquelle, entzogen wurde, war er nicht mehr in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen, die durch den Hallenbau entstanden waren, nachzukommen.
Im Jahre 1940 erfolgte die Übergabe der Halle an die Gemeinde Hailer. Es wurde vertraglich vereinbart, dass die Gemeinde Hailer die Turnhalle mit den auf ihr lastenden Schulden übernimmt und der Turnverein oder sein etwaiger Rechtsnachfolger die Halle kostenlos nutzen darf.
Während des 2. Weltkrieges ruhte der Übungsbetrieb. Die Halle wurde während dieser Zeit als Getreidelager, als Reifenlager der Fa. Dunlop und als Lehrlingsunterkunft der Flugzeugbaufirma Görner genutzt. Dadurch wurde die Turnhalle und besonders der Fußboden stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende diente die Halle als Unterkunft für US-Truppen, für Ausländer und Heimatvertriebene. Die Bühne war als Wohnung umgebaut worden.
Nach 1945 durfte sich in Gemeinden unter 10.000 Einwohnern nur ein Verein bilden.
Deshalb schlossen sich der Fußballsportverein, der Gesangverein und der Turnverein zur Sport- und Kulturgemeinschaft Hailer (SKG) zusammen.
1946 begann die Turnabteilung der SKG unter der Leitung von Ernst Reitz in dem
verbliebenen Raum der Turnhalle den Übungsbetrieb wieder aufzunehmen.
1948 wurde die Bühne und der Wirtschaftsraum (Keller) von der Gemeinde wieder hergerichtet.
Die Sport- und Kulturgemeinschaft Hailer, die in ihren Abteilungen verschieden gelagerte Ziele verfolgte, löste sich im Jahre 1949 in freundschaftlichem Einvernehmen auf.
Der Turnverein Hailer begann wieder ein selbständiges Eigenleben zum Wohle des
Turnsportes zu führen.
1950 ging die Turnhalle endlich wieder in den Besitz des Turnvereins über. Der Verein hatte die Aufgabe, die Halle neu zu renovieren.
1957 wurde der erste größere Umbau durchgeführt. Es wurden ein Geräte- und ein Umkleideraum angebaut.
1964 wurde der Dielenfußboden erneuert. 1970 erfolgte der Einbau einer Zentralheizung. Von 1974 bis 1975 wurde die Halle erweitert. Die Baukosten betrugen ca. 400.000 DM, wobei die Stadt Gelnhausen den Verein entscheidend unterstützte. Von 1977 bis 1978 wurde das Kleinsportfeld an der Turnhalle von der Stadt errichtet und dem Turnverein übergeben.
Der Verein hatte somit die Voraussetzungen, sein sportliches Angebot zu vergrößern und es den Erfordernissen unserer Zeit anzupassen.
Der TVH bietet heute eine große Palette sportlicher Betätigung an:
- Eltern-Kind-Turnen
- Purzelturnen
- Turnen für Kinder und Jugendliche
- rhythmische Gymnastik
- Bewegungsgymnastik für Senioren
- Rope-Skipping
- Wandern
- Skigymnastik
- Wirbelsäulengymnastik
- Step,- und Box-Aerobic
- Ballett
Die Tischtennisabteilung nimmt mit neun Mannschaften in den jeweiligen Leistungsklassen sehr erfolgreich an Rundenspielen teil.
In der Tanzsportabteilung wird in 5 Trainingsgruppen Tanzsport mit viel Engagement und Freude betrieben.
Auch die Tennisabteilung gibt Gelegenheit, den „Weißen Sport" von der Pike auf zu erlernen.
Dieses reichhaltige Angebot erfordert eine Vielzahl von engagierten Abteilungs- und
Übungsleitern.
Vier Abteilungs- und 20 lizensierte Übungsleiter leiten mit großem Einsatz die Trainings- und Übungsstunden. Dieses vielfältige sportliche Angebot wird von den zur Zeit über 1.300 Mitgliedern des TVH in großem Maße in Anspruch genommen. Dies ist für einen Turnverein in einem Stadtteil mit ca. 4.000 Einwohnern eine reichhaltige sportliche Palette, die sich sehen lassen kann.
Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten 10 Jahren von ca. 900 auf über 1.300 erhöht, was für die Beliebtheit des Angebotes spricht.
Mit dem Neubau der Jahnhalle im Jahre 1996 wurde eine hervorragende Infrastruktur für den Übungsbetrieb geschaffen. Die Halle gehört nunmehr der Stadthallen GmbH und wird im
Rahmen der Sportförderung durch die Barbarossastadt Gelnhausen für den Übungsbetrieb unentgeldlich zur Verfügung gestellt.
Der 110 Jahre bestehende Turnverein Hailer wurde von folgenden Vorsitzenden geführt:
| 1892-1895 1896-1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903-1904 1905-1908 1909-1912 1913-1914 1915-1918 1919-1921 1922-1923 1924-1929 1929-1931 1931-1934 1934-1938 1939-1946 1946-1949 1950 1951-1967 1968-1972 1973-1983 1984-2000 2000-heute |
Wilhelm Engel Heinrich Schirmer Friedrich Engel Carl Schmidt (bis 17.6.), Wilhelm Weingärtner Christian Lotz Heinrich Schirmer Carl Schmidt Karl Bernges Heinrich Engel (bis 31.1.), Heinrich Schirmer Heinrich Born Heinrich Pfeiffer (bis 25.1.13), Heinrich Born Heinrich Schirmer Heinrich Born Wilhelm Öfner Heinrich Born Wilhelm Öfner (bis 28.3.), Heinrich Pfeiffer (bis 15.7.) Heinrich Born (bis 18.7.) Karl Lerch (bis 10.11.34), Heinrich Wüster Heinrich Stock Vorstand der SKG Hailer, ab 25.12.1949 wieder selbstständig Willi Schreiber Karl Spieker Günter Engel Horst Block Thomas Rehbein Jürgen Mann |



